Ich bin Teil des Widerstands in der Kurz-Regierung

Nach dem Insider-Bericht über Donald Trump meldet sich nun auch ein hochrangiger österreichischer Regierungsmitarbeiter anonym zu Wort.

 

Wenn Sie glauben, es sei schlimm, was unsere Regierungsparteien so abliefern, dann kann ich Ihnen versichern: Es ginge noch wesentlich schlimmer. Wenn nämlich ich nicht wäre.

Was Sie an Ausfällen vor allem aus den Reihen der FPÖ zu hören bekommen, ist nichts im Vergleich dazu, was die so von sich geben, wenn sie sich von Freunden umgeben wähnen. Ich muss das wissen, denn ich bin einer von ihnen. Zumindest denken die das. In Wahrheit bin ich Teil des Widerstands. Und damit muss ich nicht nur ständig mit der Gefahr leben, enttarnt zu werden, sondern auch damit, nach außen hin als Mittäter zu gelten. Oder zumindest als jemand, der Augen, Ohren und vor allem Mund ständig geschlossen hält, einfach des Machterhalts wegen. Das mit dem Machterhalt stimmt schon, das muss ich zugeben. Ich bin kein Linker, ich bin davon überzeugt, dass dieses Land eine konservative Regierung braucht und dass viele Vorhaben gerechtfertigt sind. Aber um das in dieser Konstellation durchzuhalten, dazu braucht es schon einen guten Magen auch.

Lassen Sie es mich an einem Beispiel illustrieren: Ohne mich hätte der Wehrsprecher der FPÖ nicht mehr bloß Feuchtträume von einem Einmarsch der Herrenmenschen in Nordafrika – er wäre schon dort. Und dann auch noch lügen und behaupten, man sei falsch zitiert worden – bis dann das Tonband von dem Interview veröffentlich wird! So sind sie, diese unendlich mutigen Ehrenmänner. Es ist ja aus der Nähe betrachtet wirklich verblüffend, dass sich gerade diese Leute für die Krone der Schöpfung halten. Als ob es das Ziel der Evolution gewesen wäre, die weitere gedeihliche Entwicklung unseres Planeten in die Hände von denen zu legen, die über das kleinste Hirn verfügen. Wenn dem so wäre, würden wir längst von Quallen regiert werden – denn die haben gar keines.

Oder der feine Herr Gudenus. Zeigt diesen afghanischen Lehrling beim Verfassungsschutz an, um dann sofort und im Verein mit der „Krone“ hechelnd und geifernd zu berichten, dass der Verfassungsschutz ermittle. Und das alles nur, um dem Anschober und seiner Lehrlingsinitiative und vor allem dem Van der Bellen, der auf einem Foto mit dem Afghanen drauf ist, so richtig fett ins Gesicht spucken zu können. Und dann hat der arme Kerl gar nichts gemacht. Aber natürlich kann Gudenus nichts für diese „bedauerliche Verwechslung“, sondern alle anderen. Darum gibt es auch keinen Grund für eine Entschuldigung. Man hat ja bloß einen völlig Unschuldigen am Nasenring durch das Kolosseum geschleift, mehr nicht. Gut, für eine Entschuldigung bräuchte es ja auch ein Mindestmaß an Charakter – und da wird es schwierig. Jetzt gäbe es für Gudenus zwar eine Menge Bezeichnungen, die alle stimmen – aber trotzdem alle klagbar wären. Aber würde das was nützen, wenn ich sie ihm im Parlament an den Kopf werfen würde? Manche würden das vielleicht bejahen. Aber ich verlege mich lieber auf die Guerilla-Taktik. Ich arbeite im Hintergrund daran, dass er den Afghanen zumindest nicht mit einer Zahnbürste, die der Höbart bei seinem letzten Kaufhaus-Cop-Einsatz einem Marokkaner abgenommen hat, den Gehsteig putzen lässt. Und ich finde, darauf kann ich durchaus stolz sein.

Von Kickl brauchen wir gar nicht erst reden. Was da schon in den ersten Tagen des BVT-Untersuchungsausschusses alles herausgekommen ist – aber übernimmt er auch nur einen Funken Verantwortung dafür, die Sicherheit Österreichs mit seiner Wahnsinnsaktion gefährdet zu haben? Nein, das Einzige, das er tut, ist, eine seiner Mitarbeiterinnen als Journalistin getarnt zum Spitzeln einzuschleusen. Falls noch irgendein Zweifel daran bestanden haben sollte, aus welchem Holz diese Leute, die sich „Vizekanzler“, „Minister“ oder „Vizebürgermeister“ nennen dürfen, wirklich geschnitzt sind – langsam müsste es auch dem Begriffsstutzigsten klar werden. Wenn Kickl könnte, wie er wollte, würde er Orbán blass aussehen lassen. Und wer verhindert das? Ich! Ich bin nämlich ein ziemlicher Held, müssen Sie wissen.

Und ich verspreche Ihnen, ich werde wachsam bleiben. Und weiterhin versuchen, den Schaden für unser Land zu minimieren. Wie gesagt: Natürlich bin ich geil drauf, im Zentrum der Macht zu sein – und möchte auch dort bleiben. Aber die Verachtung, die mir für mein öffentliches Schweigen zu allen blauen Widerlichkeiten nunmehr vielerorts entgegenschlägt, die habe ich nicht verdient. Ich bin doch eh einer von den Guten!

Abschließend möchte ich noch betonen, dass man sich gar nicht erst auf die Suche nach mir zu machen braucht. Man wird mich nicht finden, dazu bin ich zu gewieft. Der Urheber des Textes über Trump hat das Wort „Lodestar“, also „Leitstern“, verwendet. Ein Wort, das in den Reden von Vizepräsident Mike Pence oft vorkommt. So ein Ausrutscher passiert mir garantiert nicht. Ich habe penibel darauf geachtet, dass ich nirgends „Balkanroute“ schreibe.