Der Waffenbruder
Alfons Mensdorff-Pouilly, von Beruf Unschuldsvermutung,
im nie geführten Interview über Neutronenbomben, Sarah
Palin und, jawohl, Bestechung.
Mensdorff-Pouilly: Bevor wir anfangen, junger
Freund: Brauchen wir vielleicht irgendwas? Eine Zehntausenderpackung
Kalaschnikows? Zehn, zwölf Leopard-Panzer? Oder ein
kleines Neutronenbomberl?
profil: Äh …, was sollt ich mit
einer Neutronenbombe?
Mensdorff-Pouilly: No, es gibt doch immer einen Nachbarn, der
seinen Zwetschkenbaum böswillig über die Grundstücksgrenze
wachsen lasst.
profil: Dann ess ich die Zwetschken halt einfach auf.
Mensdorff-Pouilly: Was sind Sie? Ein Gandhi für Arme?
profil: Für sehr Arme.
Mensdorff-Pouilly: Nu ja, soll sein. Mir is ja an sich nix Menschliches
fremd. Also, fang ma an. In Lesotho warten a paar Kindersoldaten
auf mich. Und die Konkurrenz schlaft net.
profil: Also, Herr Mensdorff …
Mensdorff-Pouilly: Wissen S’ was? Jetzt, wo wir uns schon
ein bissl besser kennen – sagen S’ doch einfach
Pouilly zu mir.
profil: Wie Sie wollen. Herr Pouilly, haben Sie in Ihrem Leben
schon einmal irgendwen bestochen?
Mensdorff-Pouilly: Ja.
profil: Dieses Eingeständnis kommt jetzt doch etwas überraschend.
Bisher haben Sie ja alle Vorwürfe, die gegen Sie erhoben
werden, bestritten.
Mensdorff-Pouilly: Das tu ich immer noch.
profil: Aber wen haben Sie denn dann bestochen?
Mensdorff-Pouilly: Einmal einen Platzanweiser in der Oper, damit
er mich von meiner Loge auf einen Platz mit Sichtbehinderung
setzt.
profil: Warum denn das?
Mensdorff-Pouilly: Ich kann Opern nicht ausstehen. Aber Sie
wissen ja, in meinen Kreisen … Da muss man sich das Gewinsel
ab und zu anhören. Aber dann mag ich diese Koloratur-Matronen
wenigstens net sehen.
profil: Gut. Aber meine Frage bezog sich eher auf Ihre Geschäfte.
Mensdorff-Pouilly: Hören Sie, ich arbeit in der Rüstungsbranche.
Die ist generell so sauber, da können Sie aus einem Bombentrichter
essen.
profil: Es ist doch ein offenes Geheimnis, dass man bei großen
Rüstungsdeals gleich einmal zwischen zwei und vier Prozent
der Auftragssumme für Bestechung einkalkuliert.
Mensdorff-Pouilly: Gehen S’, so ein Blödsinn! Aber,
wenn Sie es schon ansprechen: Braucht Ihre Frau nicht irgendwas?
Einen Brillantring? Eine Busenvergrößerung? Einen
Job bei der ÖVP?
profil: Wie kommen Sie jetzt darauf?
Mensdorff-Pouilly: No, laut einer aktuellen Umfrage würden
in Privathaushalten 72,8 Prozent aller Frauen ihren Männern
zum Ankauf einer Neutronenbombe raten.
profil: Wer wurde denn da befragt? Die Leseschwäche-Selbsthilfegruppe
von Sarah Palin?
Mensdorff-Pouilly: Über die lass ich nix kommen! Die haben
mir schon alle Badezimmer daheim in Luising finanziert.
profil: Wie viele haben Sie denn?
Mensdorff-Pouilly: Ich bin mit dem Zählen noch nicht durch.
Man kommt ja zu nix, vor lauter Untersuchungshaften.
profil: Die Sie natürlich immer zu Unrecht treffen.
Mensdorff-Pouilly: Die in Österreich war ja ganz angenehm.
Aber in London haben sie mir sechs Tag lang keinen Kamm gegeben.
Kann man sich das vorstellen?
profil: Entsetzlich! Was sagt Amnesty International dazu?
Mensdorff-Pouilly: Ach, wissen Sie, einer wie ich hat halt leider
keine Lobby, die sich für ihn ins Zeug haut.
profil: Stimmt. Man sollte wirklich dringend mehr Lobbying
für Lobbyisten betreiben.
Mensdorff-Pouilly: Ganz meine Red, junger Freund. Wissen S’
was? Wenn Sie die Neutronenbombe doch nehmen, leg ich eine F-16
drauf. Na?
profil: Das ist natürlich sehr verlockend. Aber danke.
Mensdorff-Pouilly: Sie sind ja vielleicht ein harter Knochen!
Bei den Tschechen ist das viel leichter gangen. Also gut: eine
F-16 und 5000 Landminen. Die sind mir eh in El Salvador überblieben.
Und dann hätt ich gern die Telefonnummer von Ihrer
Mutter.
profil: Was wollen Sie von meiner Mutter?
Mensdorff-Pouilly: Vielleicht hören Sie ja auf die. Ich
hab da mein spezielles Mutter-Set, da is ein Pelzmanterl drin,
ein paar Hansi-Hinterseer-Videos, eine Perlenkette, die ich
der Mitzi …
profil: Sie wollen also meine Mutter bestechen?
Mensdorff-Pouilly: Hören S’, das is aber ein ganz
schiaches Wort für ein paar harmlose Geschenke! Passen
S’ auf, was Sie sagen. Man muss ja schließlich auf
seinen Ruf achten.
profil: Ob Sie damit jetzt nicht ein bissl spät dran sind?
Was sagt eigentlich Ihre Frau zu Ihren Geschäftspraktiken?
Mensdorff-Pouilly: Was für eine Frage! Was glauben S’,
womit ich sie damals herumgekriegt hab? Mit meiner Frisur vielleicht?
profil: Damals hatten Sie ja sicher noch einen Kamm.
Mensdorff-Pouilly: Ha! Das ist witzig! Wissen S’ was?
Die F-16, die Minen – und dann no 100 total schicke Sprengstoffgürtel.
Na?
profil: Oh mein Gott.
Mensdorff-Pouilly: Na also. Jetzt wird er weich!