Fragen Sie Frau Erna!
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Die profil-Lebenshelferin greift diesmal die bislang
unterschätzten Problemfelder ORF-Faxwahl, Bundesheer und
Handball-EM auf.
Geschätzte Frau Erna,
ich bin der Regisseur des Bundesheer-Spots, der jetzt ungerechtfertigterweise
in den Medien lächerlich gemacht wird, weil er angeblich
sexistisch und überhaupt recht dämlich sein soll.
Unabhängig davon, dass ich diesbezüglich natürlich
völlig anderer Meinung bin, fürchte ich jetzt um meine
Karriere. Meinen Sie, dass meine anderen Spots, in denen zum
Beispiel eine Elite-Einheit ein Dorf im Sudan ausradiert oder
genau gezeigt wird, wie cool es ist, Granaten auf Allentsteig
zu pfeffern, jetzt noch eine Chance auf eine unvoreingenommene
öffentliche Beurteilung haben?
Besorgt
Fritz Oberwalder
Corps Cinemathique
Verehrter Herr Oberwalder,
dass Sie mir einmal schreiben! Ich bin Ihr größter
Fan! Spätestens seit dem Problemfilm „Was juckt da
unterm Tarnanzug III“ oder dem atemlosen Action-Reißer
„100 Mann und eine Latrine“ kann ich beim besten
Willen nicht verstehen, warum zwar Haneke und Ruzowitzky Preise
bekommen, aber Sie nicht. Bitte bleiben Sie bei Ihren hintergründigen
Plots und der glasklaren Bildsprache und nehmen Sie sich ein
Beispiel an Ihrem Chef, Norbert Darabos: bei Kritik einfach
weghören.
In tiefer Bewunderung
Ihre Frau Erna
*
Sehr geehrte Frau Erna,
ich bin Bürolehrling in Ausbildung und sitze beim ORF in
dem Zimmer, in dem die Faxe von der Publikumswahl hereinkommen.
Und jetzt hab ich folgendes Problem: Ich fürchte, ich habe
das Gerät irgendwie falsch eingestellt – aber nachdem
ich schon einen Minuspunkt habe, weil ich dem Abteilungsleiter
gestern den Kaffee mit zwei statt mit einem Löffel Zucker
gebracht habe, traue ich mich nicht zu fragen. Da kommen nämlich
nur Stimmen für die SPÖ-Kandidaten raus. Nachdem das
ja bei einer demokratischen Wahl schlecht sein kann, sitze ich
jetzt ziemlich in der Patsche. Was soll ich nur tun?
Ratlos
Whitney Mesotitsch
Liebe Whitney,
man merkt an Ihrem Schreiben deutlich, dass Sie halt ein junger
Mensch sind und noch viel lernen müssen. Selbstverständlich
kommen da nur SPÖ-Stimmen raus! Und selbstverständlich
ist das Demokratie. Nur halt eine sympathische österreichische
Variante davon. Also, halten Sie um Himmels willen bei
Ihrem Vorgesetzten den Mund, Liebes. Sonst merkt der am Ende
noch, wie unbedarft Sie sind. Und dass mir da nur keine Politikverdrossenheit
aufkommt. Schließlich haben unsere Vorfahren das Wahlrecht
mühsam für uns erkämpft.
Ganz liebe Grüße
Ihre Frau Erna
*
Liebe Frau Erna,
jetzt gehen mir natürlich wieder alle auf die Eier wegen
den Handballern. Wie mitreißend die nicht gespielt haben
bei der EM im Vergleich zu meinen Burschen. Da geht mir so was
von das Geimpfte auf, dass ich glatt dem Garics eine auflegen
würd, wenn er in der Nähe wär. Wenn ich gegen
Island unentschieden spiel, wer feiert mich dann, ha? Außerdem:
Die spielen bitte hinten mit einer Sechserkette! Ich hab zwar
im Trainerlehrgang nicht immer aufgepasst, aber so daneben bin
nicht einmal ich. Und was ist das überhaupt für ein
Lulu-Sport, bei dem man nicht wie ein richtiger Mann ordentlich
auf den Boden schlatzen darf, weil die armen Hüpfdohlen
dann ausrutschen? Geh bitte! Eigentlich hat dieser Handball-Teamchef
nur eines richtig gemacht: Er hat den Ivanschitz auch nicht
aufgestellt. Also: Der Zirkus muss jetzt ein Ende haben. Ab
jetzt feiern gefälligst wieder alle die richtige Nationalmannschaft.
Ist das klar?
Hochachtungsvoll
Didi Constantini
Trainer-Gott
Sehr geehrter Herr Constantini,
ich kann Ihre Bedenken gut nachvollziehen. Es hätte einen
beim Zuschauen tatsächlich der Eindruck beschleichen können,
bisher mit Fußball Lebenszeit verschwendet zu haben, die
man besser in Nasenhaarschneiden oder Zwischenzehendreckwuzeln
investiert hätte. Aber keine Angst: Diese quälende
Unsicherheit wird sich spätestens mit dem ersten Länderspiel
gegen Dänemark im März verflüchtigen –
und einer soliden Gewissheit weichen!
Mit freundlichen Grüßen
Frau Erna
*
Liebe Frau Erna,
ich bin mit meiner Superpraktikantin nicht restlos zufrieden.
Sie redet zurück, macht dem Faymann schöne Augen,
und als ich sie gefragt habe, was sie vom Transferkonto hält,
hat sie gesagt: „Meinen Sie das, mit dem die Hypo unter
den Augen vom Martinz die Kärntner Fußballer bezahlt
hat?“ Jetzt einmal ehrlich: Waren wir auch so, als wir
jung waren?
Mit freundlichen Grüßen
Josef Pröll
Vizekanzler
Sehr geehrter Herr Pröll,
was Sie betrifft, lehne ich mich, glaube ich, nicht allzu weit
aus dem Fenster, wenn ich sage: sicher nicht. Und über
meine eigene Jugend möchte ich nicht allzu viel verraten,
außer: Wir haben ja nichts gehabt nach dem Krieg.
Mit freundlichen Grüßen
Frau Erna