Miss Verständnis
Innenministerin Maria Fekter im nie geführten
Exklusiv-Interview über Urlaub im Süden, ihr Gefühlsleben
und ihr großes politisches Vorbild.
profil: Frau Minister, könnten Sie sich
vorstellen, einmal in Eberau Urlaub zu machen?
Fekter: Na ja, jetzt vielleicht schon noch.
Obwohl dort nicht gerade der Bär steppt.
profil: Was genau meinen Sie mit „jetzt schon noch“?
Fekter: Das wissen Sie so gut wie ich.
profil: Sie meinen, bevor die Asylanten dort sind?
Fekter: Ich bin die Letzte, die behauptet, dass alle Asylwerber
kriminell sind.
profil: Ja. Klar. Da überholen Sie ja sogar die Grünen
links.
Fekter: Genau. Aber wenn ich im Urlaub unter Ausländern
sein will, dann fahr ich in den Süden.
profil: Eberau ist doch im Süden.
Fekter: Aber nicht in dem.
profil: Gibt es mehrere?
Fekter: Natürlich. Es gibt den Süden im Ausland. Und
dann gibt es auch noch in Österreich mehrere Südens,
die sich aber nicht alle gleich gut für ein Erstaufnahmezentrum
eignen.
profil: Am besten eignet sich der Süden, in dem die ÖVP
bei den nächsten Landtagswahlen ohnehin keine Chance hat.
Fekter: Eine Partei wie die ÖVP, die die treibende Kraft
in dieser Regierung ist und die gerade jetzt wieder enorme Problemlösungskompetenz
beweist, hat nie keine Chance.
profil: Im Burgenland?
Fekter: Die burgenländische ÖVP ist hervorragend aufgestellt,
und sie wird unter ihrem Vorsitzenden …, äh, na,
unter dem Dings …, also unter ihrem Vorsitzenden halt
sicherlich ein tolles Ergebnis einfahren.
profil: Der Mann heißt Franz Steindl. Und er ist auch
gegen Ihren Eberau-Überraschungscoup.
Fekter: Jetzt weiß ich auch wieder, warum ich mir seinen
Namen nicht merken kann.
profil: Jetzt einmal ehrlich …
Fekter: Hören Sie: Das ist ein Interview und keine Beichte.
profil: Gibt es da in puncto Wahrheitspflicht einen Unterschied?
Fekter: So wie wir in der ÖVP den Katholizismus leben,
in bewusster Festigkeit gegen den Werteverlust in unserer Gesellschaft
– selbstverständlich!
profil: Trotzdem: Haben Sie wirklich gedacht, dass Sie mit
dieser Nacht-und-Nebel-Aktion durchkommen?
Fekter: Ich habe mich wie immer auf dem Boden der Gesetze bewegt.
Und nachdem es eine Baubewilligung gibt, sehe ich das Problem
nicht.
profil: Nun ja, ein Teil des Problems könnte vielleicht
sein, dass Sie Landeshauptmann Niessl die Wahl gelassen haben,
entweder als Vollwappler dazustehen, der von Ihnen teilentmündigt
wird, oder als populistischer Anti-Ausländer-Kämpfer,
der sich wegen der kommenden Landtagswahl mannhaft zwischen
seine bisherigen Wähler und die FPÖ wirft.
Fekter: Wie ich bereits sagte: Ich sehe das Problem nicht.
profil: Anders gefragt: Wäre es gerade bei einem so sensiblen
Thema nicht vernünftig, eine wirklich sinnvolle Lösung
zu suchen, statt dem Koalitionspartner freudig eine reinzusemmeln
– wovon im Endeffekt ohnehin nur wieder Strache profitiert?
Fekter: Ich bin mir keines Fehlers bewusst. Mein großes
politisches Vorbild hätte es ebenso gemacht.
profil: Margaret Thatcher?
Fekter: Pffft! Warum nicht gleich Mutter Teresa?
profil: Nein, die geht nicht. Die hat ja den Katholizismus
falsch verstanden.
Fekter: Thatcher hat vieles richtig gemacht, manches aber auch
nicht. Ich an ihrer Stelle hätte zum Beispiel nach den
Falkland-Inseln auch noch Buenos Aires genommen.
profil: Das hätte ich wissen müssen. Wer ist denn
dann Ihr großes politisches Vorbild?
Fekter: Hägar der Schreckliche.
profil: Nun ja, das sind zwar große Fußstapfen,
aber ich glaube an Sie.
Fekter: Danke. Wissen Sie, gerade in meiner exponierten Position
kann man manchmal schon ein bisschen Rückhalt brauchen.
profil: Fühlen Sie sich denn ungeliebt?
Fekter: Ach, so weit würde ich nicht gehen. Gefühle
sind keine politische Kategorie. Ich gebe zwar ungern einem
Roten Recht – aber wie sagte einst schon Franz Vranitzky?
„Wer Gefühle hat, braucht einen Arzt.“
profil: Er sagte: „Wer Visionen hat, braucht einen Arzt.“
Fekter: Und wo ist da jetzt der Unterschied?
profil: Passiert es nie, dass Sie zum Beispiel im Kino weinen
müssen?
Fekter: Na ja, bei „Titanic“ hat es mich damals
schon ordentlich gerissen.
profil: Das ist ja auch furchtbar traurig, wie der blau gefrorene
Leonardo DiCaprio langsam im Meer …
Fekter: Der war mir wurscht. Aber dieses tolle Schiff! Dieser
immense volkswirtschaftliche Verlust!
profil: Letzte Frage: Was halten Sie eigentlich von H. C. Strache?
Fekter: Nun ja. Wenn ich um 15 Jahre jünger wäre …
profil: Ups!
Fekter: Was denn? Dann tät ich ihn zu einem Schlammringkampf
herausfordern, wollt ich sagen.
profil: Das können Sie doch auch jetzt.
Fekter: Einer nach dem anderen. Jetzt ist einmal der Niessl
dran.